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_Caraka Samhita 2018-07-03T18:59:02+01:00

Kapitel 1: Sutrasthana – Das Streben nach Langlebigkeit

So sprach Lord Atreya:

Mit dem Beginn der Krankheiten der Menschen bzw. aller Geschöpfe kamen weise Männer, Verehrer von Yama und Niyama, in einem glück-verheißenden Tal am Fuße der Himalayas zusammen, um dieses heilige Thema zu diskutieren. Die Weisen waren erleuchtet vom Glanz der Buße, Feuer-Opfer mit Ghee wurden dargebracht, alle vollbrachten tugendhafte Handlungen und waren voller Mitgefühl für alle Lebewesen.

Krankheiten sind Hindernisse für ein langes Leben, für religiöse Gelübde, Brahmacarya und heilige Studien. Eine gute Gesundheit ist die Voraussetzung für tugendhafte Handlungen, den Erwerb von Wohlstand, die Befriedigung der Bedürfnisse und schließlich die Erlösung. Krankheiten zerstören die Gesundheit, das Wohlbefinden und das Leben. Dies stellte sich als ein großes Hindernis im menschlichen Leben heraus. Doch was könnte Abhilfe schaffen? Mit diesem Ziel vor Augen vertieften sich die Weisen in Meditation.

Dann, in ihrer Vision fanden sie einen Retter in Indra. Er – der Herr der Götter – würde ihnen den richtigen Weg erklären, wie Krankheiten entgegengewirkt werden könnte. Indra hatte den Ayurveda von den Asvin-Brüdern erhalten. Diese wiederum hatten ihn von Daksa bekommen, dem die Lehren des Ayurveda von Brahma selbst enthüllt worden waren.

Wer sollte nun zu Indra gehen, um ihn in dieser Angelegenheit zu befragen? – „Ich könnte entsendet werden für diese Aufgabe“, so sprach Bharadvaja als erster. Und so wurde er von den Weisen entsandt.

Er wanderte zu Indras Aufenthaltsort und fand ihn schließlich inmitten von Göttern und Weisen sitzend, glänzend und gleißend wie Feuer. Beseelt mit dem Wunsch nach einem langen Leben,näherte Bharadvaja sich Indra, dem Herrn der Unsterblichen und Beschützer seiner Anhänger. Er entbot dem Herrn der Götter seinen Gruß mit Segen, die seinem Sieg förderlich sind, und überbrachte demütig die Nachricht der Weisen:

„Krankheiten, die alle Lebewesen in Schrecken versetzen, manifestieren sich (in der Welt). Rate uns, o Herr der Götter, welche Maßnahmen Abhilfe schaffen können.“

Lord Indra legte dem Weisen aus der Tiefe seines Wissens in Kürze die Wissenschaft vom Leben dar. Indra stellte die unsterbliche und heilige Wissenschaft vom Leben dar, so wie Brahma sie zuvor verstanden hatte. Sie besteht  aus drei Komponenten: Ätiologie, Symptomatologie und das Wissen über die Therapeutika, die Wohlbefinden bringen für Gesunde und Kranke.

Der Weise, mit großer Weisheit und Hingabe, nahm sofort ordnungsgemäß die gesamte Wissenschaft mit ihren drei Komponenten aber unmessbarem Ausmaß auf. Dadurch genoss Bharadvaja ein unendlich langes und glückliches Leben und überbrachte all dies den Weisen.

Die Weisen, die den Wunsch nach einem langen Leben hegten, erhielten von Bharadvaja diese Wissenschaft als ein Mittel um den Lebewesen Wohlbefinden und eine längere Lebensspanne zu bringen.

(28) Die Weisen visualisierten ordnungsgemäß durch die Macht ihrer intuitiven Kräfte samanya, visesa, guna, dravya, karman und samavaya.

(29) Nachdem sie all dies erfahren hatten, lebten die Weisen nach den Vorgaben der Wissenschaft und erreichten höchstes Wohlbefinden und ein unerschöpflich langes Leben.

(30) Punarvasu, freundlich zu allen und voller MItgefühl für alle Lebewesen, stellte die die heilige Wissenschaft vom Leben seinen sechs Schülern vor.

(31) Und diese Schüler – Agnivesa, Bhela, Jatukarna, Parasara, Harita und Ksarapani folgten seinen Anweisungen.

(32) Es war einfach nur die Besonderheit seines Intellekts / Verstandes und nicht etwa andere Anweisungen des Weisen (Punarvasu), die dazu führte, daß Agnivesa als erster (vor allen anderen Schülern) dieses Werk ausbreitete.

(33) Dann legten die Weisen wie Bhela und andere ihre Werke dar und präsentierten sie Atreya, begleitet von einer Gruppe von Weisen.

(34) Als sie die Darstellung dieser Heiligen (Schüler Atreyas) gehört hatten, waren die Weisen höchst erfreut, daß die Darstellung so gut gelungen war und sie begrüßten sie.

(35) Sie alle bewunderten die Schüler Punarvasus, in denen der Wunsch brannte, allen Lebewesen gutes zu tun, und sie alle riefen gemeinsam aus: „Herrlich ist dieses Mitgefühl für alle lebenden Wesen!“

(36) Die göttlichen Weisen begleitet von den Göttern, die im Himmel residieren, hörten die heiligen Worte der großen Weisen und waren höchst erfreut, dies zu hören.

(37) „Oh, hervorragend/exzellent!“ – dieser tiefe und harmonische Klang, produziert im Himmel von den erfreuten Göttern, hallte in den drei Welten wider.

(38) Ein glück-verheißender Wind blies und und alle Himmelsrichtungen erstrahlten im Licht. Göttlicher Blumenregen und Wasser fielen herab

(39) und dann führen die Götter der Weisheit, nämlich Intellekt, Vollendung, Erinnerung, Verständnis, Geduld, Ruhm, Nachsicht und Mitgefühl in Agnivesa und seine Schüler und

(40) diese Werke, angenommen von den großen Weisen, wurden auf der Erde etabliert zum Wohle aller Lebewesen.

(41) Die Wissenschaft wird Ayurveda genannt, in der vorteilhaftes und unvorteilhaftes für das Leben, Glück und Unglück, gutes und schlechtes Leben, das Maß / die Messung des Lebens und das Leben selbst beschrieben werden.

(42) Der Begriff Ayus steht für die Verbindung von Körper, Sinnesorganen, Geist und Seele. Seine Synonyme sind dhari (das, was den Körper vor dem Verfall bewahrt), jivita (das, was „lebendig hält“), nityaga (das permanente Substrat des Körpers) und anubandha (das, was von einem Körper zum anderen wandert).

(43) Da es für die Menschheit in beiden Welten (dieser und der jenseitigen) förderlich / heilsam / nutzbringend ist, wird das Ayurveda, die heiligste Veda und die von den Gelehrten der Veden hoch-verehrte, nun dargelegt.

(44) Allgemeine Gleichzeitigkeit ist immer die Ursache für die Zunahme / Vermehrung / Steigerung / Vergrößerung von dem, was ist, während das Gegenteilige die Abnahme bewirkt.

(45) Allgemeine Gleichzeitigkeit bringt Einheit, während Abweichung Trennung hervorruft. Noch einmal: allgemeine Gleichzeitigkeit trägt immer eine Ähnlichkeit mit sich, während abweichende Faktoren immer Un-ähnlichkeit bewirken.

(46) Geist, Seele und Körper – diese drei sind wie ein Drei-Fuß: die Welt wird erhalten durch ihre Kombination. Sie bilden das Substrat für alles.

(47) Diese Kombination ist Purusa. Diese hat Bewusstsein und diese ist das Thema dieses Veda. Dafür wurde das Ayurveda ans Licht gebracht.

(48) Akasha / Raum etc. (prthivi, ap, tejas, vayu), Seele, Geist, Zeit und Raum bilden Materie. Materie, die über Sinne verfügt, hat Bewusstsein, während Materie, die nicht über Sinnesorgane verfügt, unbewusst ist.

(49) Objekte der Sinnesorgane (sabda, sparsa, rupa, rasa, gandha), Eigenschaften wie schwer usw. (guru, laghu, sita, usna, snigdha, ruksa, manda, tiksna, sthira, sara, mrdu, kahina, visada, picchila, slaksna, khara, sthula, suksma, sandra, drava), Wissen (which includes smrti, cetana, dhrti, ahamkara), Eigenschaften, deren letzte prayatna ist und diejenigen (Eigenschaften), die mit para beginnen, nennt man gunas. Handlungen in der Form eines heilenden Bemühens sind als Karman bekannt.

(50) Samavaya ist die untrennbare Gleichzeitigkeit von Erde usw. und ihren Eigenschaften. Diese ist ewig, denn immer, wenn Materie existiert, sind auch immer ihre charakteristischen Eigenschaften existent.

(51) Das, was das Substrat / die Essenz der Eigenschaften und Handlungen und gleichzeitig ihre Ursache ist, ist Materie.

(52) Das Karma, das in Materie gegenwärtig ist, ist die Ursache für Zusammensetzung und Trennung. Karman ist die Handlung, die etwas erreichen will. Es braucht keinen anderen Grund für sein Handeln.

(53) Soviel zu den Ursachen / Gründen. In diesem / jetzigen / unseren Kontext ist das Ziel / der Effekt das Gleichgewicht der Elemente der Gewebe. Das klare Ziel dieser Wissenschaft ist die Erhaltung des Gleichgewichts der Gewebe.

(54) Die Ursache für Krankheiten sowohl des Geistes als auch des Körpers sind drei-fältig: die falsche Nutzung, das Nicht Verwenden und der übermäßige Gebrauch von Zeit, den mentalen Fähigkeiten und der Objekte der Sinnes-Organe.

(55) Körper und Geist bilden das Substrat für Krankheiten und Glück (positive Gesundheit). Der balancierte Gebrauch (von Zeit, mentalen Fähigkeiten und den Objekten der Sinnesorgane) ist die Ursache für Glück.

(56) Die Seele ist frei von jeglicher Pathogenität. Sie ist die Ursache für Bewusstsein durch den Geist und die spezifischen Eigenschaften der Grundelemente (sabda, sparsa, rupa, rasa und gandha). Sie ist ewig. Sie ist ein Beobachter – sie beobachtet alle Handlungen.

(57) Pathogene Faktoren im Körper sind vayu, pitta und kapha, während die pathogenen Faktoren des Geistes rajas und tamas sind.

(58) Erstere werden besänftigt durch Therapien, die auf religiösen Riten und physischen / physikalischen Eigenschaften beruhen, letztere durch spirituelles und geschriebenes Wissen, Geduld, Erinnerung und Meditation.

(59) Vata, welches rauh, kühl/kalt, leicht, subtil, beweglich, nicht-schleimig und rauh ist, wird besänftigt durch Medizin, die entgegengesetzte Qualitäten hat.

(60) Pitta, welches ölig, heiß, scharf, flüssig, sauer, fließend und stechend ist, wird überwunden durch Medizin, die entgegengesetzte Qualitäten hat.

(61) Die Qualitäten von kapha, welche schwer, kühl/kalt, weich, ölig, süß, unbeweglich und schleimig sind, werden behoben durch Medizin, die entgegengesetzte Qualitäten hat.

(62) Heilbare Krankheiten werden durch Medizin geheilt, die die entgegengesetzten Eigenschaften besitzt und die verabreicht wird unter Beachtung des Ortes, der Doshas und der Zeit.

(63) Keine Medizin ist zu verschreiben für unheilbare Krankheiten. Und so wird Agnivesa im Detail die Qualitäten und Karman (der Drogen) erklären.

(64) Ap und prthivi bilden das Substrat für die Manifestation von Geschmack (rasa), welches das Objekt des Geschmacksinns (rasanendriya) ist. Für die spezifischen Eigenschaften von Rasa sind die übrigen drei (akasa, vayu und tejas) verantwortlich.

(65) Süß, sauer, salzig, stechend / scharf, bitter und zusammenziehen – dies ist die sechs-fältige Sammlung der Geschmacksrichtungen.

(66) Drogen, die süß, sauer und salzigen Geschmack haben, verringern Vata; solche mit zusammenziehendem, süßem und bitterem Geschmack verringern Pitta und diejenigen mit zusammenziehenden, scharfem und bitterem Geschmack verringern Kapha.

(67) Drogen lassen sich drei Kategorien zuordnen: manche verringern doshas, manche beeinträchtigen / verderben die doshas und manche sind gut for die Erhaltung einer positiven Gesundheit.

(68) Gemäß einer anderen Klassifizierung gibt es dravyas dreier Arten: solche tierischen Ursprungs, pflanzlichen Ursprungs und metallischen Ursprungs (inklusive mineralische).

(69) Verschiedene Arten von Honig, Kuh-Milch Produkte, Gallenflüssigkeit, Fett aus Muskelgewebe, Mark, Blut, Fleisch, Kot, Urin, Haut, Samen, Knochen, Bänder, Horn, Nägel, Hufe, Haare, Körperbehaarung, gereinigte Ochsen-Galle – dies sind einige Drogen tierischen Ursprungs (die in der Medizin verwendet werden).

Die heilige Wissenschaft vom langen Leben besteht aus drei Komponenten: Ätiologie, Symptomatologie und Therapie für Gesunde und Kranke