„Ich habe in meinem Leben mehr Zeit in Spanien als in der Türkei verbracht – bin ich dann ein deutsch-türkischer Spanier oder ein spanischer Deutsch-Türke? Warum denken wir immer so in Grenzen? Ich will als Fußballer gemessen werden – und Fußball ist international, das hat nichts mit den Wurzeln der Familie zu tun.“ Mesut Özil (Quelle: FAZ 2012)

Menschen mit Migrationshintergrund werden immer wieder mit ihrer Andersartigkeit / Nicht-Zugehörigkeit konfrontiert. Neben vielen rassistischen Momenten im Alltag trifft es im Spitzensport besonders hart, wenn aus „den eigenen Reihen“ Anfeindungen und wie im Fußball ganze Chöre von Menschen Haß und Missgunst verbalisieren. Trotz dieser psychologischen Mehrbelastung auf internationalem Niveau Topleistungen abzuliefern, verdient höchsten Respekt.

Mesut Özil ist wie ich in Deutschland geboren und aufgewachsen. Er ist hier zur Schule gegangen, seine Wurzeln liegen in Deutschland. Seine Eltern bringen den Schatz ihrer Kultur mit und Mesut Özil ist damit in zwei Welten aufgewachsen. Die Familie hat sich bewusst für die Integration entschieden und alles gemacht, was notwendig war, um diesen Schritt auch nach außen transparent und klar zu dokumentieren. Özil engagiert(e) sich schon lange intensiv für die Integration von Migrantenkindern in Deutschland. Trotzdem bleibt es ein beständiger Kampf gegen Vorurteile, Angriffe und Mißverständnisse.

Viele Eltern halten entweder nur an Ihrer Kultur fest und verweigern sich der Integration, andere werfen ihr kulturelles Erbe über Bord und assimilieren sich zu 100%, wodurch dem Kind die Anbindung an seine (epi)-genetischen Wurzeln dann fehlt, was wiederum zu anderen Problemen führen kann. Familie Özil ist den Weg der Integration gegangen, ohne die eigenen Wurzeln zu kappen.

Psychologisch gesehen ist sein Rücktritt absolut nachvollziehbar. Und er ist nicht allein auf den Foto-Eklat zurückzuführen. Der Rücktritt ist die Konsequenz eines Lebens im Spannungsfeld zwischen Respekt, Anerkennung und Förderung einerseits und Unfairness, 2-Klassen-Denken, Sündenbock-Mentalität und unterschwelligem, täglich erlebtem Rassismus andererseits. Die Summe vieler Erfahrungen vom Kindesalter an bis heute führt zu solchen Entscheidungen. Dieses Ereignis spiegelt eine gesellschaftliche Stimmung wieder, in der „die guten“ Charaktere viel zu wenig sichtbar sind: Die Menschen, die für Integration stehen, für selbstverständliches Miteinander und für Sportsgeist im besten Sinne.

Setzen wir gemeinsam Zeichen für eine positive Zukunft.

Weiterführende Links:

https://www.tagesschau.de/inland/oezil-erklaerung-wortlaut-101.html

https://www.zeit.de/sport/2018-07/mesut-oezil-fussball-rassismus-kommentar-ruecktritt

Zum Thema „Mitsingen der Nationalhymne“: https://m.youtube.com/watch?v=EL4FxSPutTI

Buchtipp: „Die Magie des Sports“ von Mesut Özil (Amazon Partnerlink:)

2018-07-24T11:25:24+00:00